Freiheit für Tiere
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Zuflucht für gequälte Elefanten in Myanmar

Nur noch 2.000 wilde Elefanten

befinden sich in Myanmar. Elfenbein und Elefantenhaut erzeugen auf dem Markt Höchstpreise, Elefantenleder gilt in der traditionellen Medizin als Heilmittel für Hautpilz und Infektionen oder wird zu Handtaschen verarbeitet. Wöchentlich fällt mindestens ein Tier Wilderern zum Opfer. · Bild: byrdyak - Fotolia.com

Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" baut

Elefantenschutzzentrum

Von Susanne von Pölnitz, Vier Pfoten

Bei kaum einem anderen Tier wird so deutlich, was menschliche Gewalt anrichtet: Elefanten - graue Riesen, gutmütige Dickhäuter, liebevolle Herdentiere, sensibel, intelligent und treu - täglich werden tausende Tiere in afrikanischen und südostasiatischen Ländern für wirtschaftlichen Profit in Gefangenschaft gehalten, ausgebeutet, misshandelt oder getötet. Die Tierschutzorganisation »Vier Pfoten« baut jetzt in Myanmar ein Elefantenschutzzentrum.

Elefanten: Schwerstarbeiter in der Holzindustrie

Seit Jahrzehnten sind Arbeitselefanten

in den Wäldern Myanmars im Einsatz, um beim Fällen und Tragen von schweren Baumstämmen zu helfen. Inzwischen gibt es Exportverbote und Abholzungsbeschränkungen für Tropenhölzer - und die Elefanten werden nicht mehr gebraucht. Nun droht ihnen der Tod für die Lederproduktion - oder der Wechsel in die Tourismusindustrie. · Alle Bilder: VIER PFOTEN

Für den Boom in der asiatischen Holzindustrie schleppen Elefanten seit Jahrzehnten schwere Baumstämme durch den Dschungel. Allein in Myanmar, dem früheren Burma, unterhält die Regierung 5.000 Arbeitselefanten.

Exportverbote und Abholzungsbeschränkungen für Tropenhölzer haben in Myanmar jedoch dazu geführt, dass seit 2016 rund 1.000 Arbeitselefanten in der Teakholz-Industrie nicht mehr gebraucht werden. Dies wäre eigentlich eine gute Nachricht. Doch die Arbeitselefanten werden nicht mehr gebraucht und sind damit wertlos geworden - und ihre Zukunft ist ungewiss.

Tierarzt Dr. Amir Khalil von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN kämpft seit Jahren in Südostasien für den Schutz der sanften Dickhäuter. »Die steigende Nachfrage nach Elefantenhaut im südostasiatischem Raum ist alarmierend: Taschen, Schuhe, Ohrhänger und Armreifen mit Elefantenhaut-Kugeln, Innenverkleidungen in teuren Limousinen - immer mehr Produkte werden mit Elefantenleder hergestellt. Im vergangen Jahr wurden laut Umweltministerium 30 Elefanten in Myanmar von Wilderern getötet. Man fand nur ihre blutigen Kadaver, denen die Haut abgezogen war.«

Elefanten im Tourismus: Dressur mit Gewalt

Im Tourismus funktioniert das Geschäft noch immer: Tag für Tag müssen Elefanten in südostasiatischen Ländern Touristen auf ihrem Rücken durch staubige Städte tragen. Elefanten-Trekking oder Elefanten-Fußballspiele gehören zum Standard-Reiseangebot vieler Veranstalter. Andere Elefanten sollen zur Belustigung von Passanten mit dem Rüssel bunte Bilder malen. Dass die Tiere diese ihnen völlig artfremden Dinge nur nach harten Erziehungsmethoden widerwillig ausüben, wird von den meisten begeisterten Touristen nicht hinterfragt. Im Gegenteil: Die Nachfrage treibt das Angebot - ein mieses Geschäft mit klaren Opfern.

Veterinärmediziner Dr. Khalil berichtet: »Ohne Gewalt können Wildtiere wie Elefanten nicht dressiert werden. Schon als Babys werden sie ihren Müttern in der Wildnis entrissen. Brutale Schläge mit spitzen Haken lehren sie, niederzuknien, in die gewünschte Richtung zu gehen, nicht mit dem Rüssel zu schwenken oder einen Pinsel über ein Blatt Papier zu schwenken. Kein einziger Elefant, der in der Tourismusindustrie arbeitet, ist frei von Narben! Bunte Bemalung, Schmuck und farbenfrohe Stoffe täuschen darüber hinweg, welche Qual die grauen Riesen erleiden. Wir appellieren eindringlich an Touristen, diese Quälerei nicht zu unterstützen!«

Tierarzt Dr. Amir Khalil von VIER PFOTEN erklärt:

»Ohne Gewalt können Wildtiere wie Elefanten nicht dressiert werden. Brutale Schläge mit spitzen Haken lehren sie, niederzuknien oder in die gewünschte Richtung zu gehen.« · Bild: VIER PFOTEN

Elefantenhaken

Bild: VIER PFOTEN

Elefanten in Ketten

Bild: VIER PFOTEN

Bild: VIER PFOTEN

Die zum Teil schwer misshandelten Elefanten

sollen sich im Elefantenschutzzentrum ELEPHANTS LAKE erholen und im Idealfall wieder ausgewildert werden. · Bild: VIER PFOTEN

ELEPHANTS LAKE:

Das Elefantenschutzzentrum von VIER PFOTEN

Am 1. Mai 2018 startete VIER PFOTEN mit dem Bau von ELEPHANTS LAKE. Myanmars Ministerium für Umweltschutz und Fortwirtschaft hat dafür das Land zur Verfügung gestellt, der staatliche Forstbetrieb »Myanmar Timber Enterprise« wird sich um die Vermittlung von Elefanten aus der Holzindustrie kümmern. Ende 2018 werden die ersten Tiere in das Schutzzentrum nahe des Ye New-Damms einziehen.

ELEPHANTS LAKE wird nicht nur in Gefangenschaft lebenden Arbeitselefanten, sondern auch wilden Elefanten eine artgemäße Zuflucht bieten. Die Population des Asiatischen Elefanten, dem zweitgrößten Landtier der Welt, hat sich laut IUCN, der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, in den letzten Jahrzehnten mehr als halbiert. Nur noch 2.000 wilde Elefanten befinden sich in Myanmar. Elfenbein und Elefantenhaut erreichen auf dem Markt Höchstpreise, Elefantenleder gilt in der traditionellen Medizin als Heilmittel für Hautpilz und Infektionen oder wird zu Handtaschen verarbeitet. Wöchentlich fällt mindestens ein Tier Wilderern zum Opfer.

Die getöteten Elefanten hinterlassen Jungtiere als Waisen. Auf dem Gelände von ELEPHANTS LAKE ist daher auch ein Waisenhaus für Babyelefanten und Jungtiere sowie eine Krankenstation mit mobiler Klinik geplant. Ziel des umfassenden Rehabilitierungsprogramms ist die Zusammenführung von neuen Herden sowie die anschließende Auswilderung der Tiere in das angrenzende Waldschutzgebiet Nord Zar Ma Yi.

Bis zu 300 Elefanten sollen in den nächsten zehn Jahren aufgenommen werden. »Mitten im Waldschutzgebiet an einem riesigen See gelegen, bietet ELEPHANTS LAKE den Tieren eine sichere Zuflucht«, erklärt Dr. Khalil. »Hier können die Elefanten in ihrer natürlichen Umgebung zur Ruhe kommen - und sind dort geschützt und werden wenn nötig medizinisch versorgt. Wir freuen uns sehr darauf, Ende des Jahres die ersten Dickhäuter in unserem Schutzzentrum willkommen zu heißen!«

Tierarzt Dr. Amir Khalil von »Vier Pfoten«

füttert verwaiste Elefanten. · Bild: VIER PFOTEN · Hristo Vladew

VIER PFOTEN · Hristo Vladew

VIER PFOTEN · Hristo Vladew

Schulterschluss zwischen Regierung

und Tierschützern

Nach langen Verhandlungen gelang es Tierarzt Dr. Khalil, die offizielle Unterstützung des Umweltministeriums in Myanmar für das ambitionierte Elefantenschutzprojekt zu gewinnen. Umweltminister U Ohn Win erklärt: »Hier im ELEPHANTS LAKE wird niemand auf den Elefanten reiten und sie werden niemals an einer Kette angebunden sein.«

Zusätzlich unterstützt die ansässige Tierschutzorganisation »Mingalar Myanmar« bei der Aufklärung der Betreuer der Arbeitselefanten.

Baubeginn von ELEPHANTS LAKE,

dem Elefantenschutzzentrum von VIER PFOTEN. · VIER PFOTEN · Thomas Fergus

»Im ELEPHANTS LAKE sollen sich die Tiere

von den Strapazen der Vergangenheit erholen«, erklärt Dr. Khalil, Leiter des Projekts. Ziel ist die Auswilderung der Elefanten in das angrenzende Waldschutzgebiet North Zar Ma Yi. Sollte das nicht mehr möglich sein, können die Elefanten auch für den Rest ihres Lebens im Schutzzentrum bleiben.« · VIER PFOTEN · Hristo Vladew

So können Sie helfen!

Meiden Sie Touristen-Angebote mit Elefanten. Nehmen Sie an keiner Elefanten-Schau teil, buchen Sie keinen Elefantenritt und kaufen Sie keine Produkte aus Elfenbein oder Elefantenhaut!

Ein Elefant braucht zwischen 150 und 200 Kilogramm Futter am Tag. Einschließlich Pflege und medizinischer Betreuung kostet ein Dickhäuter circa 500 Euro Unterhalt im Monat. Die Stiftung VIER PFOTEN finanziert sich allein über Spendengelder. Bitte unterstützen Sie den Bau des neuen ELEPHANTS LAKE in Myanmar und die Auswilderung der grauen Riesen!

Informationen:

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
www.vier-pfoten.de

Spendenkonto:
VIER PFOTEN - Stiftung für Tierschutz
IBAN: DE30200100200745919202, BIC: PBNKDEFFXXX
Betreff »Elefantenschutzzentrum in Myanmar«