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Delfine kennen sich beim Namen

Bild: lossenfoto - Fotolia.com

Delfine gehen langjährige Freundschaften ein und kennen sich beim Namen. Australische Forscher haben herausgefunden, dass Delfine über die individuellen Stimmsignale ein faszinierendes soziales Netzwerk kooperativer Beziehungen pflegen und mit ihren Freunden Kontakt halten.

Australische Forscher haben nachgewiesen, dass männliche Große Tümmler, die in Gruppen zusammenleben, von anderen Delfinen innerhalb der Gruppe mit individuellen Stimmsignalen angerufen werden. Die Wissenschaftler nahmen die Laute der Delfine mit Unterwassermikrofonen auf und bestimmten das individuelle Lautsignal, das von jedem Delfin verwendet wurde. Die Analyse deute darauf hin, dass diese Rufe wie individuelle Namen verwendet werden, so die australischen Forscher.

»Unsere Arbeit zeigt, dass die Namen den männlichen Tieren helfen, ihre vielen verschiedenen Beziehungen im Auge zu behalten: Wer sind ihre Freunde, wer sind die Freunde ihres Freundes und wer sind ihre Konkurrenten?«, so Studienleiterin Stephanie King von der University of Western Australia in Perth.

»Tiere, die starke soziale Bindungen bilden, neigen dazu, sich stimmlich anzupassen, indem sie sich zu gemeinsamen Rufen zusammenschließen«, schreiben die Biologen in dem renommierten Wissenschaftsmagazin Current Biology. »Große Tümmler sind versierte vocal learner, eine besonders seltene Fähigkeit bei Säugetieren, und nutzen das vocal learning, um ihre individuellen, spezifischen Stimmsignale zu entwickeln, mit denen sie ihre Identität ausstrahlen. Individuelle Stimmsignale werden in den ersten Lebensmonaten entwickelt und sind strukturell einzigartig von denen der Artgenossen.« Diese individuellen Stimmsignale seien ein seltenes Beispiel für ein nicht-menschliches Säugetier, das ein gelerntes Vokal-Label verwendet, vergleichbar mit einem menschlichen Namen, so die Wissenschaftler.

Die Verhaltensbiologen untersuchen Delfine in der Meeresbucht Shark Bay in Westaustralien in einem Langzeit-Forschungsprojekt seit 1982. Sie hatten in früheren Studien bereits herausgefunden, dass männliche Delfine zum Teil jahrzehntelange Bündnisse eingehen und diese starken sozialen Bindungen pflegen: Mit Drohnen aufgenommene Videos zeigen, wie befreundete männliche Delfine synchron nebeneinander herschwimmen und mit Brustflossen und Schwanzflossen immer wieder Körperkontakt suchen. Der Körperkontakt und die Synchronisation stärkten die sozialen Bindungen, so die Forscher.

Auch Wale kommunizieren über Laute -

und lernen sogar die Sprache der Delfine

Auch Wale kommunizieren mit verschiedenen Klicklauten. Wissenschaftler konnten beispielsweise nachweisen, dass jeder Pottwalclan einen eigenen Dialekt entwickelt, welchen junge Pottwale in den ersten drei Lebensjahren von ihren Müttern und Verwandten erlernen. Doch Wale erlernen je nach Clan nicht nur unterschiedliche Dialekte, sie können sogar Fremdsprachen lernen: Orcas in Gefangenschaft, die sich die Becken mit Delfinen, also einer anderen Spezies, teilen, fangen an, sich wie Delfine zu artikulieren, lernen also sozusagen eine Fremdsprache. Buckelwale erfinden ständig neue Lieder, die im sozialen Kontext erlernt und an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Damit sind die Lieder der Buckelwale der klassische Fall eines echten Kulturguts. Wale pflegen Traditionen und Rituale, die sie an ihre Nachkommen weitergeben, genau wie Menschen das tun.

Quellen:
- Stephanie L. King, Whitney R. Friedman et al: Bottlenose Dolphins Retain Individual Vocal Labels in Multi-level Alliances. In: Current Biology, Volume 28, Issue 12, p1993–1999.e3, 18 June 2018
www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30615-8
- Delfine kennen sich beim Namen. Spiegel online, 8.6.2018
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Warum Wale Fremdsprachen können. In: Freiheit für Tiere 3/2018