Freiheit für Tiere
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»Tierwohl«: Verbrauchertäuschung im Supermarkt

Fleischpackungen der »Initiative Tierwohl«

Foto: Freiheit für Tiere

»Tierwohl« als Marketing-Strategie: In fast jedem Discounter oder Supermarkt sind die Plakate mit Bildern von süßen Schweinchen im Stroh neben der Fleisch Packung zu sehen. Die »Initiative Tierwohl« suggeriert damit, dass die Tiere »gut gehalten« wurden – und der Kunde das Fleisch »mit gutem Gewissen« kaufen könne. Mit der grausamen Realität haben solche Bildchen freilich nichts zu tun. Handelt es sich um reine Verbrauchertäuschung?

Fleischpackungen der »Initiative Tierwohl«

Foto: Freiheit für Tiere

Seit Jahren schrecken Bilder und Filmaufnahmen von qualvollen und Ekel erregenden Zuständen in der industriellen Massentierhaltung, die Verbraucher auf. Zur besten Sendezeit sind in letzter Zeit in Fernseh-Dokumentationen Schweine, Hühner oder Puten zu sehen, die auf engstem Raum aneinander gedrängt im Dreck stehen, darunter immer wieder kranke und verletzte Tiere. Zu sehen sind Schweine oder Rinder, die zum Teil nicht einmal richtig laufen können und in den Schlachthof geprügelt werden, Tiere, die nicht ordentlich betäubt sind und schreien und um sich schlagen, während ihnen die Kehle aufgeschnitten wird. Keiner will diese Bilder sehen, keiner kann sie ertragen.

Um auf die Bilder von dicht gedrängten verwundeten Tieren aus industriellen Massenställen zu reagieren und die Verbraucher zu beruhigen, wurde Anfang 2015 die »Initiative Tierwohl« gegründet, ein Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und des Lebensmitteleinzelhandels. Die »Initiative Tierwohl« zertifiziert Produkte von Rewe, Edeka, Lidl, Aldi, Netto, Wasgau, Real und Penny. Die Unternehmen führen nach Angabe des Wirtschaftsbündnisses von vier Cent pro Kilogramm verkauftem Schweine- und Geflügelfleisch ab. Mit einem Gesamtbetrag von rund 255 Mio. Euro innerhalb von drei Jahren werde der Mehraufwand der zugelassenen Tierhalter für die Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen finanziert. »12 Mio. Schweine und 255 Mio. Hähnchen und Puten profitieren mittlerweile von den Maßnahmen«, schreibt die »Initiative Tierwohl« auf ihrer Internetseite.

So kommt es, dass auf der Fleisch-Verpackung bei Aldi, Lidl & Co. zu lesen ist, der Kunde unterstütze mit dem Kauf »den Wandel zu einer tiergerechten Haltung«. Das klingt, als könne man mit dem Kauf von Fleisch für 2,99 Euro oder nur 2,49 Euro etwas Gutes tun - auch wenn da noch der schwammige Zusatz steht: »Diese Information bedeutet nicht, dass die erworbenen Produkte bereits vollständig aus teilnehmenden Betrieben der Initiative stammen.«

Schweinehaltung in Betrieben,

die an der »Initiative Tierwohl« teilnehmen. · Bild: www.peta.de

Die Marketing-Strategie hat Erfolg: 2015 hatte das Meinungsforschungsinstitut Schöttmer im Auftrag der Geflügelwirtschaft die Wirkung des Siegels auf die Verbraucher untersucht. Ergebnis: Jeder Zweite der Befragten glaubte, er kaufe mit der Tierwohl-Packung Fleisch aus besserer Tierhaltung.

In Wirklichkeit ändert sich für die Tiere mit dieser Werbe-Kampagne wenig – sie leidern weiter unter tierquälerischen Bedingungen der industriellen Massentierhaltung. Dabei ist der Tierschutz bereits seit über 15 Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankert.

Schweinehaltung in Betrieben,

die an der »Initiative Tierwohl« teilnehmen. · Bild: www.peta.de

Tierleid unter dem Deckmantel »Tierwohl«

Die Tierrechtsorganisation PETA ermittelte in sieben Schweinemast-Betrieben, die mutmaßlich Teil der »Initiative Tierwohl« sind, wie die Tiere gehalten werden.

Das Ergebnis der Recherche: »Es gibt kaum Verbesserungen zu den minimalen gesetzlichen Standards. Die Bilder zeigen Schweine auf harten und mit Kot verdreckten Spaltenböden, die sich mit einigen Artgenossen in den kargen Buchten
drängen. Hustende Tiere im krankhaften Hundesitz, abgenagte Ringelschwänze, Hoden- und Nabelbrüche sowie zahlreiche andere Verletzungen, die offensichtlich nicht oder unzureichend behandelt wurden. Die Tiere verletzen sich gegenseitig in Rangkämpfen, die aufgrund der Enge und Langweile zum Teil noch heftiger ausfallen. Zahlreiche Bissverletzungen sind die Folge der belastenden Haltung. Sauen in engen Kastenständen sind auch bei der ‚Initiative Tierwohl’ Standard (...).«

Die Film-Aufnahmen zeigen eindrücklich, dass Tierschutz-Label keinen maßgeblichen Unterschied für die Tiere herbeiführen.

Die Filmaufnahmen der Tierrechtsorganisation PETA

in Betrieben, die mutmaßlich Teil der »Initiative Tierwohl« sind, zeigen Schweine auf harten und mit Kot verdreckten Spaltenböden, die sich in den kargen Buchten drängen. Es gibt kaum Verbesserungen zu den minimalen gesetzlichen Standards. Bild: www.peta.de

Zahlreiche Tiere litten unter Verletzungen,

wie dieses Schwein mit einem vermutlich stark entzündeten Bein. · Bild: www.peta.de

Tote Tiere sind auch bei der »Initiative Tierwohl«

offensichtlich keine Seltenheit. · Bild: www.peta.de

PETA hat gegen die sieben Schweinehaltungs-Betriebe, die Teil der »Initiative Tierwohl« sind, wegen verschiedener Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutznutztierhaltungsverordnung Anzeige erstattet.

Quellen:
»Initiative Tierwohl«: Verbrauchertäuschung zugunsten der Fleischlobby. Tierrechtsorganisation PETA: www.peta.de/recherche-initiative-tierwohl
Tierschutz als Marketing-Strategie. Süddeutsche Zeitung, 5.4.2017

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