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Das Leid der Stuten für Schweinefleisch

Bisher kannte man die grausamen Stutenblut-Farmen in Argentininen, Urugay und China: Schwangeren Pferden wird dort literweise Blut abgezapft und an die Pharmaindustrie verkauft, die daraus das Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) gewinnt. Die Hormone der Stuten werden in der industriellen Schweinemast eingesetzt, um die Trächtigkeit der Sauen zu erhöhen und zu synchronisieren, damit der billige Nachschub für die Fleischindustrie nicht abreißt. Nachdem immer wieder über die grausamen Blutfarmen in Südamerika berichtet wurde, stoppten einige Pharmakonzerne den Import aus diesen Ländern - und wichen auf Islandponys aus.

Während Pferde in Deutschland

meist in kleinen Boxen und kleinen Ausläufen gehalten werden, schien die Pferdewelt auf Island noch in Ordnung: Auf der Insel der Geysire und Wasserfälle leben Islandpferde in der Weite der unberührten Natur. · Bild: Shaiith - Shutterstock.com

Das Hormon PMSG aus dem Blut schwangerer Stuten ist ein Booster in der industriellen Tiermast. Setzt man es bei Muttersauen ein, werden sie schneller und alle zum gleichen Zeitpunkt trächtig - und bringen ihre Ferkel gleichzeitig zur Welt. Für die industrielle Schweinefleischproduktion werden so alle Arbeitsschritte getaktet: künstliche Befruchtung, Geburt, Mast und Schlachtung.

Als 2015 bekannt wurde, dass Stuten in Argentinien und Uruguay pro Woche bis zu 10 Liter Blut entnommen werden, um mit dem gewonnenen Hormon die Schweinezucht in Deutschland zu synchronisieren, war die Empörung gewaltig. Tierschutzorganisationen forderten ein Importverbot von PMSG. Daraufhin stoppten einige europäische Pharmakonzerne den Import aus Südamerika. Doch nun deckte die Animal Welfare Foundation auf, dass die Pharmakonzerne die Hormone für die industrielle Schweinezucht inzwischen aus dem Blut tausender Stuten auf Island »gewinnen«.

Die ARD-Reportage »Warum Islandponys

für unser billiges Schnitzel bluten müssen« schockte 2022 nicht nur Pferdeliebhaber: Tausenden schwangeren Stuten wird literweise Blut abgezapft, um es an die Pharmaindustrie zu verkaufen. · Bilder: Animal Welfare Foundation

Pferdemisshandlung auf Island für die Schweinemast

in Deutschland

In dem Dokumentarfilm »Island - Land der 5.000 Blutstuten« hat die Animal Welfare Foundation gemeinsam mit dem Tierschutzbund Zürich die Blutentnahmen festgehalten. In den Filmaufnahmen ist zu sehen, wie die verängstigten Stuten mit Peitschen und Schlägen oder von Hunden gejagt in Blutentnahme-Ständer getrieben und gewaltsam fixiert werden.

»In der Fixierbox wird den Stuten der Kopf nach oben überstreckt festgebunden. Ein Spanngurt über den Rücken soll verhindern, dass sie sich aufbäumen. Das Setzen der einen halben Zentimeter dicken Kanüle verursacht trotz Lokalanästhesie Schmerzen und vor allem auch Angst«, schildert Sabrina Gurtner von der Animal Welfare Foundation die Blutabnahme. Sie hat in Island vor Ort recherchiert: »Die Pferde wollen mit aller Macht der Zwangssituation entkommen, geraten in Panik, manche rutschen auf dem matschigen Untergrund aus und liegen in der Box fest, aufgehängt am Kopf.« Über die Aderlasskanüle in der Halsvene werden über einen Schlauch von jeder Stute fünf Liter Blut direkt in einen Kanister abgelassen.

Den Stuten wird der Kopf nach oben überstreckt

Dfestgebunden, damit mit einer 1/2 Zentimeter dicken Kanüle etwa 5 Liter Blut abgenommen werden können. Ein Spanngurt über den Rücken soll verhindern, dass sie sich aufbäumen. Kein Wunder, dass die Pferde - die bekanntlich Fluchttiere sind - in Panik geraten... · Bilder: Animal Welfare Foundation

Island: 119 "Blutfarmen" mit 5.000 Stuten -

bald sollen es 20.000 Stuten sein

Das Geschäft mit dem Blut schwangerer Stuten ist für isländische Pferdezüchter lukrativ. Recherchen der Animal Welfare Foundation zufolge werden auf 119 »Blutfarmen« über 5000 schwangere Pferde »entblutet«. Dabei werden den Stuten einmal pro Woche etwa 5 Liter Blut abgezapft, bis zu zehn Wochen lang. Der Blutentzug schwächt die Pferde natürlich schwer.

Pro Stute lassen sich damit etwa 430 Euro erzielen. Die PMSG-Produktion steigt rasant in Island. Bis 2019 hat sie sich innerhalb weniger Jahre verdreifacht. Nun will Island die Produktionskapazitäten auf bis zu 20.000 Blutstuten erweitern.

»Blutfarm« auf Island

· Bilder: Animal Welfare Foundation

Die schwangeren Stuten, die halbwild auf der Insel

leben, werden von Hunden gejagt und mit Peitschen und Schlägen in die Blutentnahme-Ständer getrieben. · Bilder: Animal Welfare Foundation

Auch in Deutschland wird Stuten Blut

für die Pharmaindustrie abgezapft

Doch nicht nur in Südamerika, in China und auf Island, auch in Deutschland gibt es »Blutstuten«: Auf dem Haflingergestüt Meura in Thüringen werden bis zu einhundert schwangeren Stuten literweise Blut abgenommen - bis zu vier Mal pro Woche. Völlig legal und sogar staatlich gefördert.

Das Haflingergestüt Meura ist mit rund 300 Pferden das größte Haflingergestüt in Europa. Seit über 40 Jahren wird hier Blutplasma »gewonnen«. Rund 100 trächtigen Stuten werden während 50 Tagen alle zwei Tage vier Liter Blut für die PMSG-Produktion abzapft. Das sind insgesamt rund 100 Liter Blut pro Stute!

Nicht nur auf Island wird schwangeren Stuten

literweise Blut abgenommen: Auch in Deutschland gibt es mindestens eine »Stutenblutfarm«. Auf dem Haflingergestüt Meura in Thüringen wird bis zu einhundert schwangeren Stuten alle zwei Tage etwa vier Liter Blut abgenommen - völlig legal und sogar staatlich gefördert. Das daraus gewonnene Hormon PMSG wird in der industriellen Schweinefleischproduktion eingesetzt. · Bild: mRGB - Shutterstock.com

Das Gestüt Meura schreibt auf seiner eigenen Homepage: »Ein weiteres wirtschaftliches Standbein unseres Landwirtschafts­betriebs ist, seit 1980, die Plasmagewinnung. Unter Aufsicht eines Tierarztes, regelmäßiger Kontrollen der Behörden und der - für uns ohnehin selbstverständlichen - Einhaltung strenger Tierwohl- und Hygienebedingungen entnehmen wir nieder­tragenden Stuten (ca. 50. – 100. Trächtigkeitstag) maximal viermal pro Woche zwei Liter Plasma.«

Laut Recherchen der Animal Welfare Foundation hat die Landesregierung von Thüringen dem Gestüt Meura im Jahr 2016 EU-Fördermittel in Höhe von 470.000 Euro für die PMSG-Produktion ausgezahlt. Das Hormon, das aus dem Blut der trächtigen Stuten gewonnen wird, synchronisiert in der industriellen Ferkelproduktion auf den Tag genau den Eisprung aller Mutterschweine, so dass alle Tiere zur gleichen Zeit besamt werden können. Dadurch werden die Ferkel gleichzeitig geboren und können alle am gleichen Tag auf LKWs geladen und in die Mastanlage transportiert werden. Auf diese Weise wird Schweinefleisch billig produziert.

So viel Leid für Fleisch:

Die Stuten leiden, die Mutterschweine leiden, die Ferkel und viele Fohlen werden geschlachtet... · Bild: PETA

Was können Sie tun?

Tierschutzorganisationen fordern einen Importstopp für das Stutenblut-Hormon PMSG. Mit Petitionen kann sich jeder dieser Forderung anschließen.

Die wirksamste Maßnahme ist: Kein Schweinefleisch essen! Denn das Geschäft mit dem Pferdeblut hat nur ein Ziel: massenweise billiges Schweinefleisch zu produzieren. Auf
Kosten der Mutterschweine und der Mastferkel. Auf Kosten der Pferde.

Informationen & Petition unterzeichnen:



Quellen:

· Blutiges Geschäft mit Islands Pferden. Animal Welfare Foundation e.V.
www.animal-welfare-foundation.org
· Production of PMSG in Iceland
https://www.animal-welfare-foundation.org/service/dossiers/production-of-pmsg-in-iceland
· Filmdokumentation der Animal Welfare Foundation e.V: »Iceland - Land of the 5,000 Blood Mares« auf youtube
https://www.youtube.com/watch?v=SkHP65O4RUg&t=426s
· Peter Carstens: Schwangere Pferde bluten auch in Deutschland für die Pharmaindustrie. GEO.de, 1.2.2022
https://www.geo.de/natur/tierwelt/schwangere-pferde-bluten-fuer-die-pharmaindustrie-31588840.html
· Haflingergestüt Meura
https://www.haflinger-in-meura.de/landwirtschaft