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Tierindustrie: über 13 Mrd € Subventionen jährlich

Wie der deutsche Staat öffentliche Gelder

in eine zerstörerische Branche leitet

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie es sein kann, dass Fleisch weniger kostet als Gemüse? Oder warum Würstchen aus Schweinefleisch viel billiger sind als Würstchen aus Soja oder Erbsenprotein? Oder warum Hafer- oder Mandelmilch so viel teuerer ist als Kuhmilch, obwohl es für Hafermilch doch nur Hafer, etwas Öl und Wasser braucht, während für Kuhmilch eine Kuh erst einmal nach mehr als neun Monaten ein Kalb zur Welt bringen muss, Futtermittel importiert und Gülle entsorgt werden muss? Die Antwort: Staatliche Subventionen halten die Preise für Fleisch, Milch und andere Tierprodukte niedrig und den Verbrauch auf einem hohem Niveau. Über die Höhe solcher Subventionen war bisher wenig bekannt. Eine neue Studie zeigt: Die Tierwirtschaft wird in Deutschland jährlich mit mehr als 13 Milliarden Euro öffentlicher Gelder unterstützt.

Eine Studie zeigt:

Die Tierindustrie wird mit mehr als 13 Milliarden Euro jährlich subventioniert. Herausgeber: Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie.

Für die Studie wurden direkte Subventionen für Massentierhaltung und Futteranbau, die reduzierte Mehrwertsteuer auf Fleisch, Milch und Eier, staatliche Dienst- und Beratungsleistungen für Tierhalter, außerdem weitere staatliche Leistungen sowie Förderungen für die Schlachtung, den Transport und die Vermarktung von tierbasierten Produkten unter die Lupe genommen.

- Den größten Posten mit rund fünf Milliarden Euro macht die ermäßigte Mehrwertsteuer auf tierische Lebensmittel aus.

- Hinzu kommen landwirtschaftliche Direktzahlungen der EU für die Erzeugung von Futtermitteln (2,9 Milliarden Euro) und die Agrarsozialpolitik für landwirtschaftliche Unternehmen, die vor allem von der Tierhaltung leben (2,7 Milliarden Euro).

- Dazu kommen unterschiedliche direkte und indirekte Subventionen wie die Finanzierung von Landwirtschaftsberatung, günstige Kredite, Steuervergünstigung von Agrardiesel, die Befreiung landwirtschaftlicher Fahrzeuge von der Kraftfahrzeugsteuer, Einsparungen bei der EEG-Umlage sowie Förderungen des Landwirtschaftsministeriums.

Gigantische Subventionen für eine klimaschädliche

und ausbeuterische Branche

»Diese gigantische Summe aus öffentlichem Geld fließt maßgeblich in Tierfabriken, die die Klimakrise anheizen, Menschen ausbeuten, enormes Tierleid verursachen und unser aller Gesundheit gefährden«, so das Bündnis »Gemeinsam gegen die Tierindustrie«, welches die Studie herausgegeben hat. Das Bündnis fordert den Abbau von mindestens 80 Prozent der Nutztier-Bestände bis 2030, Konzepte für Tierindustrie-Regionen, Ausstiegsprogramme, Umschichtung der Förderungen zu regionaler Produktion, Klimaschutz und Biodiversität sowie in die entsprechende Forschung und Lehre.

Protestaktion

des Bündnisses »Gemeinsam gegen die die Tierindustrie« vor dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin. · Bilder: Bündnis "Gemeinsam gegen die Tierindustrie"

Weitere "Tierwohl"-Subventionen?

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat Anfang März 2021 eine Machbarkeitsstudie für den Umbau der Tierhaltung vorgestellt, in der bis zu 3,6 Milliarden Euro für den Umbau von Ställen und weitere »Tierwohl«-Maßnahmen vorgesehen werden - durch eine höhere Mehrwertsteuer, eine Tierwohlabgabe oder einen Zuschlag auf die Einkommenssteuer, also eine Art »Tierwohl-Soli« (den dann auch Vegetarier und Veganer zahlen müssten). Doch durch weitere »Tierwohl«-Subventionen würden »die untragbaren Zustände noch einmal auf Jahrzehnte hin zementiert«, so die Studie, die das Bündnis »Gemeinsam gegen die Tierindustrie« herausgegeben hat.

Deshalb kritisiert das Bündnis auch die 20 Millionen Euro für das umstrittene »Tierwohl«-Label als problematische Subventionen - schließlich würden damit »negative Folgen der Branche abgemildert« und gleichzeitig dienten sie dazu, »die gesellschaftliche Akzeptanz und damit den Absatz tierbasierter Produkte zu erhöhen oder zu sichern.«

Dabei sind die Schäden der industriellen Massentierhaltung für Umwelt und Klima enorm: Mehr als 80 % der klimaschädlichen Emissionen aus der Ernährung gehen in Europa auf den Konsum von Fleisch, Milch und Eiern zurück. Die Massentierhaltung schädigt Böden und Wasser, bringt Krankheiten sowie Antibiotikaresistenzen hervor und begünstigt katastrophale Arbeitsbedingungen.

Das Bündnis fordert den Ausstieg

aus der Massentierhaltung und den Abbau von mindestens 80 Prozent der Nutztier-Bestände bis 2030. · Bündnis "Gemeinsam gegen die Tierindustrie"

Informationen:

Quellen:
· Milliarden für die Tierindustrie – Wie der Staat öffentliche Gelder in eine zerstörerische Branche leitet. Herausgeber: Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie. 4.03.2021
https://gemeinsam-gegen-die-tierindustrie.org/studie-milliarden-tierindustrie/
· Studie: Deutschland fördert die Tierindustrie mit mehr als 13 Milliarden Euro jährlich. GEO, 5.3.2021
· Wider den Tierwohl-Soli. Frankfurter Rundschau, 5.3.2021